KI im Social Media Management: Zurück zum eigentlichen Marketinghandwerk

Warum KI für mich keine Abkürzung ist, sondern ein Verstärker für Strategie, Struktur und bessere Arbeitsweisen.

Ich habe gerade einen Fragebogen von Metricool zum Thema KI-Nutzung im Social Media Management ausgefüllt. Eigentlich nur ein paar Fragen, aber beim Antworten habe ich gemerkt, dass es für mich selbst eine ganz gute Reflexion darüber war, wie sehr sich meine Arbeit in den letzten Monaten und Jahren verändert hat.

Und ich frage mich gerade: Interessiert euch sowas eigentlich tiefer? Also nicht als „10 KI-Hacks für mehr Reichweite“, sondern eher als Einblick in Arbeitsweisen, Workflows, Denklogiken und die Frage, wie strategische Marken- und Kommunikationsarbeit heute praktisch aussehen kann? Vielleicht bräuchte es dazu mal eine kleine Reihe.

Wenn Selbstverständliches gar nicht selbstverständlich ist

Ich denke mir nämlich sehr oft: „Hä, ist doch selbstverständlich. Wie soll ich denn sonst arbeiten?“ Aber zwei kleine Situationen haben mir in letzter Zeit gezeigt, dass genau das offenbar nicht immer selbstverständlich ist.

Die eine Situation betrifft Content Recycling, Storytelling, Longform und Shortform Content. Also die eigentlich ziemlich klassische Frage: Wie wird aus einem großen Thema ein ganzer Kommunikationsfluss? Für mich ist das Marketinghandwerk. Wenn Marketing nicht nur die Abteilung fürs „Hübschmachen“ ist, sondern ernsthaft strategisch arbeitet, dann werden Themen gesetzt, Termine geplant, Botschaften verdichtet und daraus unterschiedliche Formate abgeleitet. In anderen Kontexten würde man vielleicht auch von Agenda Setting sprechen. Vom Großen ins Kleine. Vom Meta-Thema zum Blogbeitrag, vom Blogbeitrag zum Newsletter, vom Newsletter zu mehreren Posts, Stories, Reels, Gesprächsanlässen, Angeboten oder Sales-Impulsen. Wasserfallmäßig, wenn man so will.

Und ja: Ein guter Blogbeitrag darf aus meiner Sicht zehnmal verwurstet, wiederholt, neu zugeschnitten und in anderen Kontexten wieder aufgegriffen werden. Nicht, weil einem nichts Neues einfällt, sondern weil Kommunikation Wiederholung braucht. Niemand ist zu 100 Prozent online. Niemand nimmt alles wahr. Und selbst identische oder sehr ähnliche Inhalte stechen in der Masse oft weniger heraus, als wir glauben. Für mich ist das keine Faulheit, sondern Ressourcenschonung, Konsistenz und Effizienz. Trotzdem merke ich immer wieder, dass selbst Menschen, die beruflich mit Medien, Content, Text oder Online-Kommunikation arbeiten, von dieser Arbeitsweise überrascht sind.

Die zweite Situation war noch banaler. Ich hatte für ein Veranstaltungs-Konzept eine sehr einfache Mindmap erstellt. Nichts gestalterisch Anspruchsvolles, wirklich eher eine minimalistische Strukturierung meiner Gedanken. Und die Person, die sie gesehen hat, reagierte mit: „Wow, was du alles kannst.“ Sie selbst könne sowas nicht. Das hat mich irritiert, weil ich sie in meinem Kopf als digital sehr versiert abgespeichert hatte: erfolgreiche Fotografin, regelmäßig Reels, Content, visuelle Arbeit. Ich hatte daraus automatisch geschlossen, dass digitale Struktur, konzeptionelles Arbeiten und technische Sicherheit ebenfalls selbstverständlich vorhanden sind. Waren sie aber nicht. Und genau solche Momente zeigen mir, wie unterschiedlich digitale Kompetenz, strategisches Denken und praktische Tool-Nutzung tatsächlich verteilt sind.

KI ersetzt keine Strategie. Sie verstärkt sie.

Auch deshalb nutze ich KI-Tools inzwischen sehr intensiv. Aber weniger im Sinne von „KI ersetzt meine Arbeit“, sondern eher als Erweiterung meiner Denk-, Strukturierungs- und Umsetzungskraft. Besonders spannend finde ich dabei nicht nur einzelne Tools, sondern die zunehmende Vernetzung: Projektmanagement, E-Mail, Content-Workflows, Rechnungen, Wiedervorlagen, Recherche, Textentwicklung, Automatisierungen. Das verändert gerade für Freiberufler:innen und kleinere Unternehmen enorm viel, weil plötzlich Arbeitsweisen möglich werden, für die früher große Organisationen eigene Systeme, Teams oder Budgets gebraucht hätten.

Für mich persönlich hat KI auch beruflich wieder etwas geöffnet. Ich habe Marketing in einer Zeit gelernt, in der wir echte Allrounder:innen waren bzw. sein mussten: Print, erste Social-Media-Kanäle, Newsletter in Dreamweaver, einfache Websites, Gestaltung, Text, Kommunikation. In den letzten Jahren hat sich das Feld massiv spezialisiert, teilweise so stark, dass ich bestimmte Bereiche irgendwann bewusst abgegeben habe, weil sie zu technisch, zu kleinteilig oder zu schnelllebig wurden. Durch KI bin ich an manchen Stellen wieder „back to the roots“ gekommen. Nicht, weil die Anforderungen geringer geworden wären, sondern weil Tools mir helfen, mein vorhandenes Wissen wieder anders nutzbar zu machen, schneller zu lernen und technische Hürden zu überbrücken.

Im Social Media Management sehe ich KI deshalb vor allem als Assistenzsystem: für Ideensammlung, Struktur, Redaktionsplanung, Variantenbildung, Recherche, Analyse, Wiederverwertung von Inhalten und das Übersetzen von Gedanken in erste Textfassungen. Aber die Qualität hängt massiv davon ab, womit man diese Tools füttert. Eine KI kann nur dann wirklich sinnvoll unterstützen, wenn vorher Klarheit über Marke, Zielgruppen, Werte, Tonalität, Positionierung und Kommunikationslogik besteht.

Genau daran scheitert meiner Meinung nach vieles. Wenn die strategische Grundlage fehlt, entsteht am Ende nicht bessere Kommunikation, sondern nur mehr Content.

Deshalb sehe ich KI nicht als Ersatz für strategische Marken- und Kommunikationsarbeit, sondern als Verstärker. Sie macht gute Grundlagen sichtbarer und schlechte Grundlagen lauter. Wer weiß, wofür eine Marke steht, wen sie erreichen will, welche Sprache zu ihr passt und welche Wirkung Kommunikation entfalten soll, kann KI sehr produktiv nutzen. Wer das nicht weiß, produziert schnell austauschbare Inhalte, die zwar effizient entstehen, aber wenig Resonanz erzeugen.

Vom Tool-Hype zurück zu tragfähigen Workflows

Ich bin froh, dass der erste KI-Hype etwas ruhiger geworden ist. Nach viel Ausprobieren bin ich wieder stärker bei Tools gelandet, die ohnehin in meine Arbeit passen und durch KI-Funktionen besser geworden sind. Ich brauche nicht dreißig neue Systeme, sondern stabile Workflows, gute Schnittstellen und möglichst wenig zusätzliche Fehlerquellen. Gerade im Alltag macht das einen großen Unterschied: repetitive Aufgaben werden leichter, Prozesse laufen sauberer, und ich kann mehr Zeit auf die eigentliche kreative und strategische Arbeit verwenden – also auf Kund:innen, Workshops, Analyse, Positionierung und gute Inhalte.

Für Freiberufler:innen, Solopreneurs und kleine Teams sehe ich darin ein enormes Potenzial. Gleichzeitig glaube ich, dass man sich dem Thema nicht dauerhaft entziehen kann. Nicht aus blindem Technikoptimismus, sondern weil sich Arbeitsrealitäten verändern. Wer KI sinnvoll integriert, gewinnt Zeit, Klarheit und Handlungsspielraum. Wer sie ignoriert, arbeitet irgendwann gegen Systeme, die längst Teil des beruflichen Alltags geworden sind.

Wichtig bleibt für mich: KI sollte nicht dazu führen, dass wir noch mehr generischen Internet- und Contentmüll produzieren. Sie sollte uns helfen, bessere Fragen zu stellen, bessere Strukturen zu bauen, schneller ins Denken und Umsetzen zu kommen und mehr Raum für die Arbeit zu schaffen, die wirklich menschliche Tiefe braucht.

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